Was als Zufall begann, wurde zu einer eindrucksvollen Begegnung. In Adimalathura, einem kleinen Fischerdorf an der Küste von Kerala im Süden Indiens, traf ich auf junge Fußballer mit großer Leidenschaft und beeindruckender Disziplin. Eigentlich entstand der Kontakt nur beiläufig – der Trainer des örtlichen Teams hatte den Inhaber des Somatheeram Ayurvedic Health Resort (somatheeram.org), in dem ich Urlaub verbrachte, angesprochen, ob er nicht eine kleine Spende für ihren Verein leisten könne. Im Gespräch fiel dann, dass ich in Deutschland eine Jugendmannschaft trainiere – und kurz darauf folgte eine herzliche Einladung: Ob ich nicht Lust hätte, bei einem ihrer Trainings mitzuspielen.

Die Mannschaft, der Green Field Football Club (Green Field FC), trainiert sechs Mal pro Woche, jeweils früh morgens von 6:30 bis 8:30 Uhr auf einer Wiese direkt neben dem Strand. Zu dieser Zeit kommen die Fischer gerade mit ihrem Fang zurück – ein lebendiger Kontrast und zugleich ein stimmungsvoller Rahmen für den Fußball, der hier mit Herz und Hingabe gespielt wird. Einmal pro Woche steht zusätzlich ein Freundschaftsspiel auf dem Programm. Die Spieler sind zwischen 17 und 22 Jahre alt – voller Energie, Ehrgeiz und Gemeinschaftsgeist. Der Verein spielt in der A-Division der Trivandrum District League, einer der höchsten Ligen im Bezirk. Das sportliche Niveau ist gut, und das trotz schwieriger Rahmenbedingungen.

Die Trainingsfläche ist uneben, die Ausstattung minimal. Dennoch wird dort mit großer Intensität gearbeitet. Die Jungs sind topfit, schnell, technisch gut ausgebildet und zeigen eine bemerkenswerte Spielfreude. Als Gastspieler durfte ich selbst am Training teilnehmen. Es war ein intensives Spiel, bei dem sofort deutlich wurde, wie ernsthaft und diszipliniert hier gearbeitet wird.
Im anschließenden Austausch mit dem Trainer zeigte sich, wie sehr auch in Indien Strukturen wachsen. Der Trainer selbst verfügt über eine anerkannte Trainerlizenz – ein starkes Zeichen für das Engagement und die Entwicklung des Fußballs in der Region. Zwar stehen auf dieser Ebene bislang keine modernen Analyse-Tools oder systematische Förderprogramme wie in größeren Vereinen oder Akademien zur Verfügung, doch die Richtung ist klar: Der indische Fußball entwickelt sich weiter, Schritt für Schritt, getragen von Menschen mit Leidenschaft und Ambition. Als Ergebnis kann der Verein stolz darauf sein, bereits sechs Spieler auf Staatsebene, drei auf Bezirksebene sowie fünf ausgebildete Sportlehrer hervorgebracht zu haben.

Unsere Teilnahme war ein schöner Moment des sportlichen, menschlichen und kulturellen Austauschs. Ich konnte hautnah erleben, wie Fußball Menschen verschiedenster Länder und Kulturen verbindet und zusammenbringt.
Am Tag nach dem Training gab es dann eine kleine Überraschung: Europäische Süßigkeiten für die ganze Mannschaft, spontan vom Somatheeram Ayurvedic Health Resort gespendet – eine kleine Geste, die große Freude ausgelöst hat. Das Resort unterstützt regelmäßig lokale Projekte, insbesondere Schulen, aber auch Sportvereine wie den Green Field FC. Ohne solche Initiativen gäbe es oft nicht einmal Trikots, Schuhe oder Bälle – Dinge, die für viele in Deutschland selbstverständlich sind, hier aber einen echten Unterschied machen.
Was bleibt, ist tiefer Respekt für diese Mannschaft. Die jungen Spieler in Adimalathura zeigen, was möglich ist, wenn Leidenschaft, Disziplin und Gemeinschaft zusammenkommen. Man kann ihnen nur wünschen, dass sie eines Tages auch strukturelle Unterstützung erfahren – durch erfahrene und hochqualifizierte Trainer, gezielte Förderung und echte Chancen. Was nützt Talent, wenn dieses nicht erkannt und gefördert wird?
Das, was hier am Strand stattfindet, ist mehr als nur Fußball. Es ist gelebte Hingabe – Tag für Tag. Und diese tolle Aktion, mich als Gast mitspielen zu lassen, ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie Fußball Menschen über Grenzen, Kulturen und Lebensrealitäten hinweg verbindet – ganz gleich, ob sie aus einem indischen Fischerdorf oder aus Europa stammen.