SC 1911 Kapellen-Erft

Der Dorfverein
Partnerverein von Borussia Mönchengladbach

Chronik

Inhaltsverzeichnis Vereinschronik SC 1911 Kapellen/Erft

Kapitel 2 bis Kapitel 8

Die Wurzeln – Gründungsjahre und Historie des SC Kapellen

Diese Kapitel beschreiben die Zeit der Gründung bis zum zweiten Weltkrieg.

 

Kapitel 9 bis Kapitel 28

Auf der Suche nach Konstanz – die Nachkriegsjahre

Diese Kapitel zeichnen die Nachkriegsjahre bis zum letztmaligen Aufstieg in die Bezirksklasse 1963 nach. Der Ausgangspunkt einer sportlichen Erfolgsgeschichte der Erstvertretung: über 50 Jahre ohne Abstieg !


Gründer des Capellener Fußball-Clubs

Die Gründer des Capellener Fußball-Clubs CFC 1911

von links: Franz Pfeiffer, Christian Wichmann, Michael Pesch, Josef Rösgen, Hermann Reisdorf, Heinrich Rembold, Josef Hages, Johann Glasmacher, Severin Faßbender, Hans Broich

Die Wurzeln – Gründungsjahre und Historie des SC Kapellen

Vor hundert Jahren war so einiges anders, es war die Zeit der Vereinsgründungen.

Begonnen hat es in Kapellen mit dem sogenannten Studentenclub – heute würde man ihn als Hobbymannschaft – bezeichnen. Gespielt wurde ohne offizielle Regeln und ein „richtiger“ Fußball war auch noch nicht vorhanden.

Mit der Post kam 1911 der erste Fußball – bestellt bei der Firma Sauer in Köln – nach Kapellen. Berichten zur Folge muss dies höchst motivierend gewesen sein, denn es wurde in der Folgezeit fast täglich trainiert. Kaum verwunderlich, dass in einer Trainingspause der Entschluss reifte, einen eigenen Fußballverein zu gründen.

Ende Mai 1911 war es soweit, es fand in der Gaststätte Glasmacher – noch heute unser Vereinslokal – die Gründungsversammlung statt. Als Vereinsname wurde der „Capellener-Fußball-Club“, kurz CFC, gewählt.

Noch heute finden wir in Kapellen einige Namen von Gründungsmitglieder wieder.

Der Studentenclub existierte erst noch neben dem CFC. Nach einem deutlichen 8:1 im darauffolgenden Jahr löste sich der Studentenclub auf. Viele Mitglieder fanden den Weg zum CFC.


Mannschaft Am Probstbusch im Jahr 1914

Mannschaft Am Probstbusch im Jahr 1914

hinten von links: H. Effertz, J. Hamacher, Th. Kluth, A. Glasmacher , P. Engels, H. Glasmacher, H. Dappen, J. Esser
vorne von links: J. Effertz, W. Rösgen, P. Esser

Gespielt und trainiert wurde in den Anfangsjahren noch auf der „Lankemer Heid“ Richtung Langwaden, auf Viehweiden wie der „Schwane Weid“ oder in der Kieskuhl (Gilverath). Als Tore dienten Stangen, offizielle Regeln gab es noch nicht.

Dies änderte sich im Jahr 1913 als der CFC dem Westdeutschen Sportverband (WSV) beitrat und ab dann nach den aus „England stammenden Fußballregeln“ spielte.

Die Gemeinde stellte den ersten Sportplatz Am Probstbusch – ungefähr dort, wo sich heute unser Kunstrasenplatz befindet – zur Verfügung. Zum Schutz vor Dieben wurden die Tore nach dem Training und den Spielen immer abgebaut.

Zu den Auswärtsspielen ging es hauptsächlich zu Fuß, bestenfalls mit mehreren auf einem Fahrrad. Naheliegende Vereine bestanden in Jüchen (1909), Weißenberg (1910), Grevenbroich (1911), Orken (1911), Zons (1911), Büttgen (1912) und Wevelinghoven (1913).

Doch bereits in 1914 wurden die sportlichen Aktivitäten aufgrund des 1. Weltkrieges eingestellt. Nicht nur das. Es mussten auch 12 Vereinsmitglieder ihr Leben lassen.


Wiederanfang nach 1918 Capellener Fußball-Club

Wiederanfang nach 1918 Capellener Fußball-Club

von links: A. Reisdorf, H. Effertz, P. Schiffer, P. Kaumann, E. Kluth, W. Brings, J. Effertz, Chr. Wichmann, H. Dappen, M. Pesch, H. Glasmacher, J. Schiffer

Erst nach 1918 konnte unter dem Vorsitz von Adam Schramm mit Leichtathletik und Fußball wieder begonnen werden.

Treffpunkt vor den Spielen war bereits damals – und für viele weitere Jahrzehnte – unser heutiges Vereinslokal „Glasmacher“. Damals auch liebevoll „Mutter Glasmacher“ genannt, da die Witwe Glasmacher sich nicht nur um ihre Söhne Engelbert, Johann und Hubert, sondern ebenso auch wie eine Mutter um die Sportler kümmerte.

Da es damals aber bereits einen Kölner Fußballverein gab, der sich CFC nannte, wurde im Jahr 1921 aus dem „Capellener-Fußball-Club“ der SC 1911 Kapellen-Erft.

Mit folgender Mannschaft (Bild oben) nahm der SC 1911 Kapellen-Erft vornehmlich an Spielen im Raum Mönchengladbach und Erkelenz teil.


Die Erbauer des Erftstadions 1923 - die immer durstige Baukolonne.

Die Erbauer des Erftstadions 1923 – die immer durstige Baukolonne.

von oben links: Josef Roether, Josef Müsch, Josef Rickal, Franz Lehmann, Jean Müller, Willi Brings, Kaiser, Hans Wolf, Jakob Schwarz, Hans Faßbender, Theodor Kaminski, Peter Zander, Ludwig Empt, Willi Faßbender

Nach ausbleibenden Reparationszahlungen an die Siegermächte und der Besatzung des Ruhrgebietes durch die Franzosen Anfang 1923 haben viele ihre Arbeit und damit ihr Einkommen verloren. Sie mussten vom Staat bezahlt werden

Durch den vermehrten Geldumlauf stieg die Inflation rapide an, Ende 1923 wurden 1 Billion Reichsmark gegen 1 neue Rentenmark getauscht, um der Inflation Herr zu werden.

Auch aus heutiger Sicht ist es bewundernswert, wie auf Initiative des Bürgermeisters Heinrich Hinsen das „Alte Erftstadion“ unter Beteiligung der Kapellener Bürger gemeinsam gebaut worden ist. Kapellen galt schon damals als sportfreudigste Gemeinde im weiteren Umkreis.

Von „Rosens Ziegelei“, an die heute noch ein Denkmal an der Ziegeleistrasse erinnert, wurde die Talstraße hinunter mit Feldbahnwagen auf eigens hierfür gelegten Schmalspurgleisen der Grubenabbau, Kies und Sand zur Baustelle transportiert und dort einplaniert. Wer heute mal von der Tankstelle aus die Talstraße zur Apotheke hochgeht, mag sich vorstellen, wie hart die Arbeit gewesen sein muss.

Es sollte unsere Spielstätte bis zum Bau des heutigen Erftstadions in 1974 bleiben. Heute erinnert nur noch der Straßenname „Zum alten Sportplatz“ hieran.

Aber nicht nur ein Stadion mit Laufbahn wurde erstellt. Auch eine Radrennbahn und ein Schwimmbad wurden gebaut. Grundstein für die späteren großen Erfolge Kapellens in der Erftstaffel.

Dies zeigt den Stellenwert, den der Sport allgemein und der Fußball im Besonderen in Kapellen bereits damals gehabt haben.


 Sieger der Erftstaffel 1926 und danach 1927 und 1928

Sieger der Erftstaffel 1926 und danach 1927 und 1928

hinten links: Rudolf Voss, Hans Königs, Konrad Wego, Josef Amfalder, Alfons Aldenhoff, Peter Rickal, Josef Schiffer

Mitte von links: Hubert Neuenhausen, Willi Müller, Andreas Wego, Josef Krahwinkel, Theo Kaminski, Toni Breuer, Hans Effertz, Willi Otten, Fritz Stübben, Heinrich Neuenhausen, Werner Meuser

Mitte sitzend von links: Heinrich Köhnen, Lehrer Pelzer, Hermann Kamps, Willi Flahs

vorne von links: Peter Braun, Andreas Wego

Bereits 1925 wurde es international. Gemeinsam mit den Wevelinghovenern Fußballern wurde ein Fußballspiel gegen eine holländische Auswahl aus Roermond bestritten.

Aber nicht nur Fußball bestimmt die sportlichen Aktivitäten des Vereins.

Hohe Aufmerksamkeit genoss auch die sogenannte Erftstaffel, eine Art Triathlon an dem Sportler in mehreren Disziplinen als Mannschaft teilnahmen. Mit vereinten Kräften des Turnvereins TV Jahn 06, dem Radsport- und dem Schwimmverein konnten die Kapellener Jungs die Staffel dreimal in Folge in den Jahren 1926 bis 1928 für sich entscheiden.

Überliefert ist, dass unser Schlussläufer „Schiffers Schnauz“ beim Einlauf zum dritten Sieg dem Fürst Salm-Dyck-Reifferscheidt zugerufen hat:

„Först mer hant se“

Gemeint war die vom Fürsten gestiftete Standarte mit Familienwappen, die nach dem dritten Sieg hintereinander vom Sieger übergeben wurde.


Meistermannschaft 1929/1930 - 11. Mai 1930

Meistermannschaft 1929/1930 – 11. Mai 1930

hinten von links: Vorsitzender Otto Leopold, Geschäftsführer Josef Brings, Wilhelm Lorenz, Josef Pesch, Cornel Neukirchen, Andreas Krall, Franz Conrads, Anton Galles, Leo Schröder, Werner Lohren, Fußballobmann Adam Schröder

vorne von links: Jakob Wieler, Josef Thienen, H. Mütz

Auch fußballerisch ging der Weg nach oben.

Bis Ende der zwanziger Jahre gewann der SC 1911 Kapellen-Erft mehrfach seine Gruppe ohne das hiermit ein Aufstiegsrecht verbunden war. Am 11. Mai 1930 war es soweit. Mit einem 3:2 Sieg gegen den damaligen SV Keyenberg (Vorort von Erkelenz) im vorletzten Spieltag wurde die Meisterschaft und der Aufstieg in die 1.Kreisklasse gefeiert.

Hier spielten seinerzeit Spitzenmannschaften aus dem Raum Mönchengladbach und Umgebung.

Auch die weiteren Spiele um die Gaumeisterschaft konnte der SC 1911 Kapellen-Erft gegen Mannschaften aus Wegberg und Pummern-Beek gewinnen.

Aber wieder waren die Zeiten nicht für den Sport zuträglich.


1. Mannschaft Anfang der zwanziger Jahre

1. Mannschaft Anfang der zwanziger Jahre

hinten von links: J. Schiffer, W. Brings, W. Wienand, H. Effertz, J. Köhlings, H. Dappen, H. Glasmacher, A. Krall, H. Effertz, P. Faßbender

vorne von links: P. Schiffer, J. Amfalder, J. Effertz

Die Wirtschaftskrise 1932 machte sich auch im Vereinsleben bemerkbar, so dass am Ende der Abstieg in die 2. Kreisklasse verzeichnet werden musste.

Dies hielt die Vereinsmitglieder jedoch nicht davon ab, zielstrebig das 25-jährige Jubiläum des Vereins anzugehen.

Gefeiert wurde es mit einem sportlichen Höhepunkt, dem Spiel einer Kreisvertretung mit den Kapellener Spielern Franz Conrads, Hubert Gerhards und Leo Schröder gegen den Gauligaverein Union Hamborn. Gegen den in der damaligen höchsten Liga spielenden Verein musste sich die Kreisauswahl mit 2:7 geschlagen geben.

Auch sonst war das Jahr 1936 sportlich überaus erfolgreich.

Nach deutlichen Siegen in der Pokal-Vorrunde gegen den VfL Neuß (4:1), Grevenroich (6:1) und Holzheim (2:0) mussten wir uns mit 1:2 nur knapp dem Bezirksligisten Eintracht Mönchengladbach geschlagen geben.

Weitere gute Plätze wurden in den Folgejahren ebenso erreicht wie zweite Plätze der Erftstaffel in den Jahren 1937 und 1938.

Doch wieder holte der Krieg den Verein ein.

Die wehrpflichtigen Jahrgänge 1916 und 1917 wurden 1938 eingezogen, ein Spielbetrieb ist nur mit den im Urlaub weilenden Soldaten möglich.

Für die nächsten 6 Jahre geht der SC 1911 Kapellen-Erft fremd – er fusioniert mit dem TV Jahn 1906 Kapellen zum TuS Kapellen 06/11.

Praktische Auswirkungen hat dies nicht, da nach Ausbruch des 2. Weltkrieges nur noch mit einquartierten Soldaten Freundschaftsspiele ausgetragen werden können.

Ab 1941 ruht der Spielbetrieb vollständig.

Schlimmer als der ruhende Spielbetrieb war aber der Verlust von über 40 aktiven Spielern, die nicht mehr aus dem Krieg zurückkehrten.


    Wiederanfang 1945/46 Kreisklasse „Erftgruppe“

Wiederanfang 1945/46 Kreisklasse „Erftgruppe“

von links: Willi Deußen, Heinrich Dappen, Willi Meuter, Theo Stübben, Heinrich Mertens, Paul Piel, Leo Schröder, Josef Weitz, Johann Müllmann, Peter Krüppel (Brasilien), Vorsitzender Heinrich Koch, Heinrich Helten (Spender der Sportkleidung)

unten von links: Heinrich Helten, Josef Pesch, Peter Winzen
Auf der Suche nach Konstanz – die Nachkriegsjahre

Nach Kriegsende 1945 kann erst nach Beseitigung der Kriegsschäden der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden. Die Fusion mit dem TV Jahn 1906 Kapellen wird Anfang 1946 auf beiderseitigem Wunsch aufgehoben.

Wir heißen wieder SC 1911 Kapellen-Erft.

Sportlich waren es schwierige Zeiten. Es gab ja nicht viel und das, was man brauchte, wurde auf dem Schwarzmarkt getauscht oder war nur durch gute Verbindungen zu bekommen. So auch die Spielgarnitur und teilweise die Schuhe, die damals von Heinrich Helten „organisiert“ worden waren.

Noch heute bezeugt eine Mitteilung des „Turn- und Rasensportverbandes des Kreises Grevenbroich-Neuss“ vom 01. August 1946 von den Schwierigkeiten im Spielbetrieb. So durften 1946 nur Freundschaftspiele ausgetragen werden, über die Kreisgrenzen hinweg war jeder Spielbetrieb untersagt.

Fahrten zu Auswärtsspielen durften in sogenannten „Holzgeneratorenwagen“, d.h. mit Holzfeuerung angetriebene Lastwagen, nur mit vorheriger Genehmigung vorgenommen werden.

Rein theoretisch, denn normalerweise wurde gelaufen – bis nach Frimmersdorf.


Kranzniederlegung 1950

Kranzniederlegung 1950

Vorsitzender Willi Wienand, Kranzträger: Günther Moorbrink, Christian Müsch, Fahne: Heinz Ullrich, Hans Koch, Franz Pfister

Die Vereine, insbesondere ihre Vorstände, wurden auf ihre „politischen Verhältnisse“ überprüft. Damit sollte verhindert werden, dass Nationalsozialisten als Kriegsverursacher in offiziellen Ämtern – und wenn es im Fußball auf unterster Kreisebene ist – Einfluss ausüben können.

Normalisiert hat sich der Spielbetrieb erst 1947 – mit der Wiederübernahme des Vorsitzes beim SC 1911 Kapellen-Erft durch Willi Wienand und der Aufnahme des Vereins in den Fußballverband Niederrhein.

Der SC 1911 Kapellen-Erft konnte sich 1947 für die 1. Kreisklasse qualifizieren.

In den weiteren Jahren wird es langsam besser. Nach der Währungsreform im Juni 1948 stand wieder Geld zur Verfügung – Auswärtsspiele konnten zusammen mit dem Omnibus erreicht werden.

1950 – das 40-jährige Jubiläum steht kurz bevor.

Mit einer feierlichen Kranzniederlegung gedenkt Willi Wienand (siehe Bild) am Totensonntag 1950 als Vorsitzender des SC 1911 Kapellen-Erft der Toten und Vermissten des 2. Weltkrieges.


Aufstieg in die Bezirksklasse 1950/51

Aufstieg in die Bezirksklasse 1950/51

von links: Hubert Glasmacher, Heinrich Mertens, Josef Bender, Willi Küppers, Theo Stübben, Karl Ohmen, Theo Weitz, Willi Schmitz, Günther Obruschnik, Karl Rösgen, Hans Koch, Josef Weitz, Franz Pfister, Heinz Ullrich

Die Kapellener Vereine TV Jahn 06 Kapellen, SC 1911 Kapellen-Erft, Radsportclub Kapellen 1919 und Motorsportclub 1929 demonstrieren ihre gemeinsame Haltung und gründen den „Ortsverband für Leibesübungen“.

Alle hielten zusammen – und der Ruf „Allo Kapello“ war Zeichen für einander einzustehen.

Nach einem 2. Platz in der Saison 1949/50 gelingt pünktlich im Jubiläumsjahr der erste Aufstieg in die Bezirksklasse – der bis dahin größte sportliche Erfolg.


Triumphzug mit Blaskapelle

Triumphzug mit Blaskapelle

hinten von links nach rechts: Josef Weitz, Otto Höcky, Franz Pfister, Karl Ohmen, Theo Weitz, Willi Schmitz, Theo Stübben, Josef Weitz

mitte von rechts: Hans Baas, Peter Kremer

In einem Triumphzug wird die Mannschaft vom Sportplatz von der Blaskapelle „Jung Kapellen“ und den zahlreichen Kapellenern Zuschauern zum Vereinslokal Glasmacher begleitet.
Wenn wir heute die Besucherzahlen hören, die zum Jubiläumsspiel am 06.05.1951 gegen den holländischen Liga-Verein Venlose Voetbalvereinigung V.V.V. 1903 (Venlo) gekommen sind, wird man aus heutiger Sicht fast neidisch:

3000 Besucher wurden bei dem 1:6 unserer Mannschaft gezählt.

Damals musste man das angesichts der kurzen Zeit nach Kriegsende als Pionierarbeit auf dem Gebiet der friedlichen Völkerverständigung betrachten.

Sportlich setzt man auf die Jugend. Eine gute Entscheidung wie man in den nächsten Jahren sehen wird.

Die C-Jugend von 1951 war hierbei der Grundstein und wurde im Jubiläumsjahr Kreismeister.

Leider gab es aber auch traurige Begebenheiten. So mussten wir uns von unseren Vorstandsvorsitzenden und Kreisfußballobmann Willi Wienand am 17.06.1951 nur wenige Wochen nach dem Jubiläum verabschieden. Willi Wienand hat sich 30 Jahre lang in den Dienst des SC 1911 Kapellen-Erft gestellt und war maßgeblich für die Entwicklung unseres Vereins in den schwierigen Zeiten verantwortlich – ein „Fußballverrückter“ im besten Sinne.

In Gedenken an Willi Wienand wurde 1952 der Willi-Wienand-Gedächtnispokal ins Leben gerufen.


Anhänger in Venlo

Anhänger in Venlo

Gerne erinnern sich die ältesten Vereinsmitglieder an das Rückspiel 1953 bei dem holländischen Ligisten V.V. Venlo anlässlich dessen 50-jährigen Jubiläums zurück. Mit einer großen Anhängerschar – heute Fans genannt – reiste man an Christi Himmelfahrt in 2 Bussen nach Venlo, damals eine kleine Weltreise. Das Spiel ging zwar mit 4:6 verloren, mehr zählte aber die Verbundenheit. Anschließend spielte der V.V. Venlo gegen Fortuna Düsseldorf.


An Christi Himmelfahrt 1953 bei VV Venlo zum 50-jährigen Bestehen

An Christi Himmelfahrt 1953 bei VV Venlo zum 50-jährigen Bestehen

von links: holländischer Schiedsrichter, Hans Koch, Toni Turek, Leo Schröder, Adam Schröder

Hier wurden erste freundschaftliche Bande zu Fortuna Düsseldorf geknüpft, bei der damals Toni Turek – unser erster Weltklasse-Torhüter und Fußballweltmeister von 1954 – spielte.

Die Verbindung zu Toni Turek ist auch in den nächsten Jahre nie abgebrochen.


A-Jugend 1952

A-Jugend 1952

hinten: Josef Titzer, Hans Königs, Günther Moorbrink, Mathias Winzen, Reiner Schmitz, Adolf Otten, Willi Krüll, Christian Müsch, Jugendleiter Peter Lüttges

vorne: Hans Niesen, Josef Nover, Gerd Wego

Leider konnte man sich nur 1 Jahr in der Bezirksklasse halten, da die überalterte Mannschaft in der Klasse einfach überfordert war. Der 1. Vorsitzende und Kreisfußballobmann Otto Höcky, in beiden Positionen Nachfolger von Willi Wienand, erkannte, dass der Verein nur dann erfolgreich über die Kreisklasse hinaus spielen konnte, wenn man mit entsprechender Jugendarbeit für Nachwuchs sorgt. In diesem Sinne wurde er tatkräftig von dem Jugendleiter Peter Lüttges und Andreas Krall unterstützt.

Der erste A-Jugendjahrgang der Nachkriegszeit war 1951/52 Grundlage für den Neuaufbau der Mannschaft in der Kreisklasse.


C-Jugend 1952

C-Jugend 1952

hinten von links: Peter Lüttges, Theo Beyer, Michael Hönig, Heinz Rösgen, Hans Ross, Helmut Gergs, Willi Conrad, Mathias Ippers, Franz Jurk, Heinz Schmitz, Willi Krall, Andreas Krall

vorne von links: Andreas Nover, Hans Baas, Jakob Cames

Im gleichen Jahr wurde die C-Jugend Kreismeister und bot damit die Grundlage für einen kontinuierlichen Aufbau der Jugendabteilung, die bis Ende der 50er Jahre in allen Klassen oben mitspielte.
Mit dem Lehrer Otto Molitor kam 1952 ein höchst motivierter Trainer nach Kapellen, der nicht nur das Training der 1. Mannschaft forcierte, sondern auch die Jugendmannschaften systematisch aufbaute und zu Erfolgen führte. Bereits 1953/54 wurde die A-Jugend Kreispokalsieger, die B-Jugend Kreismeister und die C-Jugend Gruppensieger.


Kreismeister C-Jugend 1954

Kreismeister C-Jugend 1954

hinten von links: Manfred Deuß, Heinz-Josef Müller, Peter Schulte, Heinrich Cames, Hans-Dieter Heinemann, Hermann-Josef Hoesen, Wienand Piel, Walter Hanke, Adam Müllmann, Rudolf Titzer

vorne von links: Herbert Schmitz, Leo Hüsgen, Hans Schmitz

Auch in der folgenden Spielzeit 1954/55 gewann die nachfolgende C-Jugend mit einem 1:0 gegen den anderen Gruppensieger VfL Rheinkraft Neuss die Kreismeisterschaft.


Aufstiegsmannschaft in die Bezirksliga 1954 (5. Liga im DFB)

Aufstiegsmannschaft in die Bezirksliga 1954 (5. Liga im DFB)

von links: Leo Schröder, Josef Nover, Franz Pfister, Hans Koch, Werner Malenke, Willi Krüll, Theo Balve, Adolf Otten, Hubert Otten, Mathias Winzen, „Lippe“ Theo Stübben, Heinz Steins

Otto Molitor schaffte damit die Voraussetzungen für den Aufstieg 1954 in die Bezirksklasse mit einer durch erfolgreichen A-Jugendspielern wie Josef Nover, Willi Krüll, Adolf Otten und Mathias Winzen stark verjüngten Mannschaft sowie durch gezielte Verstärkungen mit den Spielern Werner Malenke und Gerd Schenk.

Ehemalige Schüler wie Hans Baas berichten, war montags immer dicke Luft war, wenn die 1. Mannschaft verloren hatte. => Anekdote von Hans Baas

Jedoch kam für diese Mannschaft der Aufstieg scheinbar zu früh. Letztlich war die Bezirksklasse zu der Zeit die 5. höchste Klasse im DFB.


A-Jugend Entscheidungsspiel 1956 gegen Rheydt

 A-Jugend Entscheidungsspiel 1956 gegen Rheydt

von links: Hermann Müllmann, Hans Baas, Hans Hönig, Willi Krall, Josef Holtz, Franz Jurk, Peter Krützen, Heinz Rösgen, Theo Beyer, Josef Reipen, Franz Schillings, Andreas Krall

Dafür machte sich die gute Jugendarbeit weiter bezahlt.

Die A-Jugend wurde 1956 punktgleich mit dem Rheydter Spielverein Bezirksmeister.

Damals galten noch andere „Sitten“.

So kam es nach dem Unentschieden im Entscheidungsspiel nicht zu einer sportlichen Entscheidung, sondern ein Münzwurf entschied über die Teilnahme an den Spielen um die „Linke Niederrheinmeisterschaft“.


Aufstieg in die Bezirksklasse 1957/58

Aufstieg in die Bezirksklasse 1957/58

Mit der Verstärkung aus dieser A-Jugend erreichte man 1957/58 mit einem 3:2 im Entscheidungsspiel gegen den damaligen SV Neuß-Reuschenberg – heute bekannt als TUS Reuschenberg – in Glehn wieder den Aufstieg in die Bezirksklasse.

Dass man nun besser für die Bezirksklasse gerüstet war, bewies man mit einem 13 Platz im folgenden Jahr und erreichte in den folgenden Jahren 2 mal einen 8. Tabellenplatz.


A-Jugend 1959

A-Jugend 1959

von links: Peter Lüttges, Willi Dominick, Peter Weber, Hans-Dieter Heinemann, Willi Balve, Herbert Schmitz, Hans-Peter Brings, Heinrich Cames, Wienand Piel, Walter Hanke, Hermann-Josef Hoesen, Leo Hüsken

Die nachfolgende A-Jugend verpasste 1959 mit einem 2. Platz nur knapp die Spiele um die Kreismeisterschaft.


1. Mannschaft im Jubiläumsjahr 1961

1. Mannschaft im Jubiläumsjahr 1961

von links: Willi Krall, Werner Malenke, Helmut Gergs, Andreas Nover, Peter Kremer, Peter Krützen, Theo Beyer, Heinz Rösgen, Hans-Dieter Heinemann, Peter Weber, Josef Nover, 1. Vorsitzender Heinz Rösgen

In der Saison 1960/61, rechtzeitig zum 50-jährigen Jubiläum, gelang es unserem damaligen 1. Vorsitzenden, Heinz Rösgen, mit Ewald Nienhaus von Borussia Mönchengladbach, einen ehemaligen Spieler der Regionalliga West, damals die höchste Spielklasse, einen kompetenten Trainer zu verpflichten.

Der Lohn war auch prompt der 8. Tabellenplatz.


Jubiläumsspiel gegen den VfB Hilden

Jubiläumsspiel gegen den VfB Hilden

mitte von links: Theo Beyer, Josef Nover, Werner Malenke, Heinz Rösgen, Andreas Nover, Peter Kremer, Peter Weber, Peter Krützen, Helmut Gergs, Willi Krall, Hans-Dieter Heinemann

Jubiläum 50 Jahre SC 1911 Kapellen-Erft

Im Jubiläumsjahr 1961 wurde auch die Erftstaffel wieder ins Leben gerufen. Der Organisator und Mannschaftsführer Peter Reisepatt erinnert sich:

In einer bestens vorbereiteten Sportwoche spielte Alemannia Aachen gegen Fortuna Düsseldorf. In einem Jubiläumsspiel trat der SC 1911 Kapellen-Erft gegen den VfB Hilden an und verlor das Spiel bei strömenden Regen mit 1:3. Aus Mangel an Dusch- und Umkleidemöglichkeiten nahmen einige Spieler ihren Gegenspieler mit nach Haus zum Duschen.


Sieger Erftstaffel 1961

Sieger Erftstaffel 1961

hinten von links: Josef Breuer, Heinz Koch, Hans Fankhauser, unbekannt, Czarnitzki, Peter Reisepatt, Hans-Dieter Heinemann, unbekannt, Heinz Schilling, Willi Deußen

vorne von links: Raimund Röhricht, Walter Hanke, Konrad Weinreich, Peter Hintzen, Manfred Stranz

Anfang der 1960er Jahre rief der Stadtverband für Leibesübungen Grevenbroich die einst in Vorkriegszeiten als spektakuläres Ereignis gefeierte Erftstaffel wieder ins Leben. Diese Staffeln setzten sich aus einer bunten Mischung von Läufern, Radfahrern, Schwimmern und Kanuten zusammen.

Die 1961 auch an den SC 1911 Kapellen-Erft hierzu ergangene Einladung wurde vom damaligen Vorsitzenden Heinz Rösgen aufgegriffen. Heinz Rösgen fragte Otto Höcky, ob er sich zutraue, für den SC eine Staffel zu organisieren.

Otto Höcky betrieb damals seinen Langstreckensport in Mönchengladbach, in Sachen Fußball schlug sein Herz seit langem für den SC 1911 Kapellen-Erft. Seine Bedenken, 12 geeignete Leute der verschiedenen Sportarten für die 12 km lange Strecke zusammen zu bekommen, zerstreute Heinz Rösgen mit der Bemerkung:

„Du machst das schon“

Es gelang Otto Höcky tatsächlich eine schlagkräftige Staffel zu bilden, die sich im Juni 1961 als einziger Verein außerhalb der Grevenbroicher Platzhirschen „TK, DJK und TuS“ zum Kampf stellte.

Start und Ziel war das Schlossstadion.
Überraschend gewannen wir mit 150m Vorsprung.

Zu den damaligen Staffelteilnehmern zählten u.a. SC K-Urgesteine Hans Dieter Heinemann, der mit einem glänzenden 400 m Lauf den Sieg einleitete und der heutige Fußball-Chef Jupp Breuer.


Sieger Erftstaffel 1962

Sieger Erftstaffel 1962

Auch im nächsten Jahr – 1962 – waren wir siegreich. Ein weiterer Sieg im nächsten Jahr würde das Tripel bedeuten.


Sieger Erftstaffel 1963

Sieger Erftstaffel 1963

1963 standen die Spieler des SC 1911 Kapellen-Erft beim 3. Sieg der Erftstaffel nicht zur Verfügung, weil sie gleichzeitig das Aufstiegsspiel in die Bezirksklasse gegen den VfR Büttgen bestreiten mussten. Interessanter Staffelkamerad war in diesem Jahr der einstige  Olympia-Kandidat Heinz Ackers im Kanu, den wir uns von der SG Holzheim „ausgeliehen“ hatten.

Wir triumphierten mit 700 m Vorsprung zum dritten Mal hintereinander. Damit ging der Pokal endgültig in den Besitz des SC 1911 Kapellen-Erft über.

Mit den dritten Sieg vermieden wir auch eine Blamage, denn wir hatten den Pokal erst gar nicht mitgebracht. Ein Vorstandsmitglied wollte mit der Trophäe zur Siegerehrung kommen, erschien aber zu unserem Entsetzen nicht. Hämische Pressekommentare blieben natürlich nicht aus.


ach dem erfolgreich gestalteten Jubiläum war man eigentlich guten Mutes, sich jetzt in der Bezirksklasse festgesetzt zuhaben.

Aber in der Saison 1961-62 gelang es einfach nicht, eine konstante Leistung zu bringen. Dies lag wohl auch daran, dass einige Stammspieler mit dem Jubiläum ihre Karriere beendeten oder zur Bundeswehr eingezogen wurden.

Im letzten Spiel verlor man zu Hause mit 0:1 gegen den feststehenden Landesliga-Aufsteiger SV Odenkirchen. Dies bedeutete den erneuten Abstieg in die 1. Kreisklasse.

Unser damaliger Sportwart, Hans Koch, gratulierte dem Aufsteiger mit den Worten

„Herzlichen Glückwunsch für den Aufstieg – im nächsten Jahr sehen wir uns wieder“.

Das traf zwar so nicht ein, aber wie Recht er in der Entwicklung behalten sollte, sieht man nun 50 Jahre später.

Mit dem Abstieg kamen natürlich wieder die Sprüche über dieFahrstuhlmannschaft auf: Zu gut für die Kreisklasse – zu schlecht für die Bezirksklasse. In der Nachbetrachtung muss man zur Ehrenrettung der Mannschaften sagen, dass dies alles auch noch durch Folgen des Krieges geprägt war. Die Mannschaft hatte ein Durchschnittsalter von ca. 30 Jahre (zur Hälfte Kriegsteilnehmer) und war fast ausschließlich mit Kapellenern besetzt. Eine Verjüngung war zudem auch nur langsam möglich – es fehlte einfach an Nachwuchskräften. So war die Mannschaft in der starken Mönchengladbacher Bezirksklasse einfach überfordert.


Aufstieg in die Bezirksliga 1963

 Aufstieg in die Bezirksliga 1963

 stehend: Spielertrainer E. Nienhaus, H. Gergs, K. Weinrich, D. Heinemann, P. Steins, H. Hönig

vorne von links: W. Piel, D. Eick, P. Weber, H.J. Hösen, W. Malenke

Mit dem Abstieg konnte und wollte unser Trainer Ewald Nienhaus trotz seiner 42 Jahre seine Trainertätigkeit beim SC 1911 Kapellen-Erft nicht beenden, obwohl sein Vertrag auslief.

Er ging noch einen Schritt weiter und holte im fortgeschrittenen Alter seine Fußballschuhe noch mal vom berühmten Nagel.

Dabei waren die Voraussetzungen für die Saison 1962/63 alles andere als rosig. Es gab einen weiteren Aderlass durch Spieler, die ihre Karriere alters- oder verletzungsbedingt beendeten oder zum gerade in die Bezirksklasse aufgestiegenen BV Wevelinghoven abwanderten. Da es zu der Zeit noch unüblich war, Spieler aus anderen Vereinen anzuwerben, galt es, die vorhandenen Spieler fit zu machen und mit einer geschlossenen Leistung zum Erfolg zu führen.

Es ist vor allem Ewald Nienhaus als Spielertrainer zu verdanken, dass wir nicht wieder für Jahre in der Kreisklasse blieben.

Durch sein spielerisches Können zog er die ganze Mannschaft mit und kitzelte den letzten Einsatz aus den Spielern heraus. Dabei war er immer noch einer der Schnellsten. Hinzu kam seine ausgezeichnete Technik und Ballsicherheit. Er war sowohl Dreh- und Angelpunkt des Spiels wie auch Vollstrecker.

Hans-Dieter Heinemann erinnert sich:

„Im Spiel gegen Eintracht Hoeningen erklärte Ewald Nienhaus dem dortigen, aus Kapellen stammende Torwart Hans Neuenhausen, genannt Muffes, vor dem Spiel, in welche Ecke er die vier Tore schießen würde. Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, ist ihm das auch gelungen.“

Selbst Rückschläge in Auswärtsspielen konnte die Mannschaft nicht aus der Erfolgsspur bringen. Man verlor zwar in Neuenhausen 4:1 und in Jüchen 4:0. Mit dem gleichen Ergebnis wurden die Mannschaften aber auch im Rückspiel wieder nach Hause geschickt.

Mit nur 3 verlorenen Spielen wurde man Gruppenmeister der Erft-Niers Gruppe.

Der Aufstieg wurde in Entscheidungsspielen gegen Meister der Neusser Gruppe ausgespielt.

Gegen den anderen Gruppensieger, den VfR Büttgen, gelang im Heimspiel ein verdienter 2:1 Erfolg. Dies war eine gute Basis für das Rückspiel in Büttgen. In einem ausgeglichenen Spiel setzte sich Hermann-Josef Hösen kurz vor Schluss durch und drückte den Ball zum umjubelten 1:0 über die Linie.

Damit waren wir 1963 wieder in der Bezirksklasse und der Grundstein für die weitere Entwicklung des SC 1911 Kapellen-Erft gelegt.

Für die Erstvertretung des SC 1911 Kapellen-Erft beginnt – ohne es damals zu wissen – ein neues Zeitalter, den Beginn einer sportlichen Erfolgsgeschichte: über 50 Jahre ohne Abstieg !